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Wandel des Bildungssystems – ist die heutige Schule noch sinnvoll?

Von Katharina Leitner am June 05, 2012

Beitrag nach Vortrag bei RSA von Herrn Ken Robinson, weltweit bekannter Bildungs- und Kreativitäts-Experte.

Für mehr Informationen zu Ken Robinsons Arbeit: http://www.sirkenrobinson.com

Viele Länder reformieren derzeit ihr Bildungssystem. Dafür gibt es etliche Gründe, wovon hier zwei zu nennen sind:

  1. Die wirtschaftliche Frage: Wie sollen wir unsere Kinder erziehen, damit sie ihren Platz in der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts finden?
  2. Die kulturelle Frage: Wie sollen wir unsere Kinder erziehen, damit Sie eine kulturelle Identität aufbauen und diese weitergeben können, während man stets Teil der Globalisierung bleibt?

Das größte Problem des heutigen Bildungssystems ist, dass es im Laufe der Geschichte nicht verändert wurde. Dadurch entfremdet man Kinder, die keinen Sinn darin sehen, stundenlang die Schulbank zu drücken.  Es muss anerkannt werden, dass die heutige Jugend nicht mehr dieselbe Ansicht hat wie wir sie vor Jahren hatten. Es ist nicht mehr sicher, dass man eine Position an einer guten Universität und einen gut bezahlten Job bekommt, wenn man sich in der Schule anstrengt. Ein Diplom ist keine Garantie mehr. Die Politik kommt dieser Ansicht entgegen, indem man die Standards der Bildung erhöht. Doch ist das wirklich der richtige Weg?

Das Bildungssystem, das heute noch immer verwendet wird, wurde für eine andere Zeit entworfen, um die intellektuelle Aufklärungskultur und die industrielle Revolution zu unterstützen. Vor dem 18. Jahrhundert war kein öffentliches Bildungssystem vorhanden. Das heutige Bildungssystem – bezahlt von Steuern, verpflichtend und frei zugänglich – war eine revolutionäre Idee. Durch dieses System wurde die Gesellschaft in Akademiker und Nicht-Akademiker (oder intelligent und nicht intelligent) unterteilt. Aufgrund dieser Kategorisierung glauben viele brillante Menschen, sie seien nicht intelligent, da sie keine Akademiker sind.

Die Folge ist Chaos im Leben vieler Menschen, die nicht vom Bildungssystem profitieren konnten. Stattdessen leiden viele an der „Modernen Epidemie“ oder besser bekannt als ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung). Doch ist es wirklich eine Epidemie? (Es ist nicht abzustreiten, dass ADHS eine Krankheit ist; sie kann nur von Ärzten bestätigt werden).

Auffällige Kinder werden oft medizinisch behandelt und ruhig gestellt. Aber die Frage bleibt, ob es wirklich ADHS ist, oder einfach nur ein Übermaß an Eindrücken der heutigen Medienlandschaft und Langeweile in der Schule. Es kann ein Zufall sein, aber die Zahl an ADHS-betroffenen Kindern steigt mit der Verbreitung von standardisierten Tests. Medikamente spalten Kinder von der Außenwelt ab, verschließen ihre Sinne und stellen sie „gefühls-tot“. Doch wir sollten genau das Gegenteil davon tun! Kinder und wir alle sollten aufgeweckt werden, damit wir unser Innerstes nicht vor unseren Mitmenschen verstecken.

Unser Bildungssystem wurde im Interesse und nach dem Bilde der Industrialisierung entwickelt. Beispielsweise sind Schulen noch immer wie Fabriken organisiert: das Läuten der Schulglocke, Unterteilung in Fächer, getrennte Räumlichkeiten und Bildung nach Altersgruppen… alles rund um Standardisierung. Doch das System sollte sich in die entgegengesetzte Richtung orientieren. Ein Wandel des Bildungssystems steht bevor!

Eine Studie hat sich jüngst mit „divergierendem Denken“ beschäftigt. „Divergierendes Denken“ steht im Zusammenhang mit Kreativität, denn dies ist der essentielle Inhalt dessen. Es wird auch als Prozess einer wertvollen Idee definiert. Bei diesem Denken entdeckt man viele Antwortmöglichkeiten einer Frage, interpretiert eine Frage auf verschiedene Weisen, und „denkt um die Ecke“ (nicht nur gerade oder konvergent). Eine Beispielfrage wäre: Wie viele Arten, eine Büroklammer zu verwenden, fallen Ihnen ein? Vielen werden 15 einfallen, manchen jedoch 200. Dieser Test wurde mit 1500 Menschen durchgeführt. Wenn man eine bestimmte Punkteanzahl erreicht hatte, wurde man „Genie des divergierenden Denkens“ genannt. In der Langzeitstudie wurden zuerst Kindergartenkinder getestet. 98% der Kinder erreichten dabei den „Genie-Status“. Die Studie wurde mit Kindern im Alter von 8-10 und später 13-15 Jahren wiederholt. Die Prozentanzahl hat sich mit jedem Test verringert. Dieses Resultat zeigt, dass wir alle die Kapazitäten zum „divergierenden Denken“ haben, aber diese sich im Laufe der Zeit meist reduzieren. Der Grund dafür ist das Altern und natürlich die Bildung, die wir genießen „dürfen“.

Das Bildungssystem muss sich also verändern. Die drei wichtigsten Punkte der Wandlung sind folgende:

  1. Man muss das Denken über menschliche Kapazitäten ändern
  2. Der Mythos der Unterteilung in Akademiker und Nicht-Akademiker muss aufgelöst werden
  3. Die beste Arbeit entsteht in Gruppen, deshalb muss die Zusammenarbeit auch in Schulen in den Vordergrund gestellt werden

Angelehnt an: RSA Animate: Changing Education Paradigms http://www.youtube.com/watch?v=zDZFcDGpL4U

Bis zum nächsten Mal,

Ihre Kathi Leitner

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